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Driver vs. GTA

Seit 1999 tobt der virtuelle "Kampf" zwischen der "Driver"-Serie und der "GTA"-Serie. Oft wird "Driver" in einem Atemzug mit "GTA" genannt. Viele "Driver"-Kritiker sagen, das Spiel ist eigentlich nur eine schlechte Kopie von "Grand Theft Auto". Doch kann man es sich wirklich so einfach machen ? Wir wollen nun endgültig mit all den Vorurteilen aufräumen, die beide Seite zu hegen pflegen, und euch an dieser Stelle von einem möglichst neutralen Standpunkt aus die Unterschiede zwischen beiden Spielereihen deutlich machen.

Als 1997 das damals noch unbekannte Entwicklerstudio DMA-Design das Spiel "Grand Theft Auto" auf den Markt brachte, hat wohl keiner so Recht an den Erfolg des Spiels geglaubt. Erstmals konnte man sich völlig frei mit diversen Fahrzeugen und zu Fuß durch eine Großstadt bewegen, ohne von künstlichen Grenzen und unsichtbaren Wänden aufgehalten zu werden. Was man zwischen den eigentlichen Missionen tat, war dem Spieler selbst überlassen. Durch die 2D-Optik wirkte das Spiel schon damals wie ein interaktiver Comic. Die lässigen Sprüche der Radio-DJs und die übertriebene Gewaltdarstellung verstärkten diesen Eindruck. Daran sollte sich auch im Nachfolger "GTA 2" nichts ändern.

1999 erblickte "Driver" das Licht der Welt. Statt durch eine platte 2D-Stadt durfte man sich hier gleich durch ganze vier US-amerikanische Großstädte bewegen - und das auch noch erstmals in 3D. Ob die Entwickler von Reflections Interactive aus Newcastle zuvor GTA gespielt haben, ist ungewiss. Eines jedoch fiel dem Spieler von Anfang ins Auge: Man konnte sein Fahrzeug nicht verlassen, Waffen suchte man vergebens. Die Story spielte in den 70er Jahren und versetzte den Spieler nicht etwa in die Rolle eines Kleinkriminellen, sondern in die eines Undercover-Polizisten namens Tanner. Mit stylischen Benzinschleudern und dicken Muscle-Cars ging es dann durch die vier Städte. Im Mittelpunkt standen Verfolgungsjagden aller Art. Hier war das fahrerische Können seitens des Spielers gefordert. Durch den streng hierarchischen Aufbau wirkte das Spiel wie ein Film. Mit einem eigens entwickelten Editor konnte man seine eigenen Verfolgungsjagden in Szene setzen.

Auch der zweite Serienteil, welcher nur ein Jahr später erschien, setzte auf stylische und actiongeladene Verfolgunsjagden, auch wenn man nun zum ersten Mal auch das Fahrzeug verlassen konnte. Allerdings drückten die Entwickler Jan Tanner keine Waffen in die Hand, Zu-Fuß-Missionen gab es keine. Erstmals durfte man nun auch Städte außerhalb der Vereinigten Staaten besuchen. Doch die technischen Probleme der alten Driver-Engine verhinderten vorerst den ganz großen Erfolg der Spieleserie.

Dass die Jungs von Rockstar Games (ehemals DMA Design) Driver gespielt haben müssen, beweist die Mission "V-Mann Tanner", in der man den auf sein Fahrzeug fixierten Undercover-Polizisten Tanner verfolgen muss. Der Kampf GTA vs. Driver hatte begonnen. Doch GTA III glänzte durch eine lebendige Großstadt und abwechslungsreiche Missionen. Als kleiner Gangster arbeitet man sich bis an die Spitze der kriminellen Unterwelt hoch. Fahrzeuge sind hier nicht mehr als Transportmittel, die den Spieler von einer Mission zur nächsten bringen. Zwar wird man zwischendurch immer wieder mal in Verfolgungsjagden versetzt, die arcade-lastige Fahrphysik und eher dürftige KI der Gegner führten jedoch dazu, dass man diese lieber mit Waffengewalt lösen wollte als mit einer stylischen Flucht. Der Comic-Look und die riesige Auswahl an Waffen machten das Spiel zu einem Actionfeuerwerk sondersgleichen. Die übertriebene Gewaltdarstellung rief schon damals viele Kritiker auf den Plan. In den USA folgten hitzige Debatten um das neue Konsolenphänomen "GTA". Läuft man dagegen als Spieler durch diese Comic-Stadt, jagt mit seinem Raketenwerfer Autos in die Luft und lauscht dabei den witzig-ironischen Sprüchen der Radiosender, wird man das Gefühl nicht los, dass dieses Spiel sich nicht allzu ernst nimmt. Im Gegenteil: Es wirkt wie eine Parodie auf die Waffenliebe der amerikanischen Gesellschaft.

Mit GTA Vice City setzte man die Erfolgsgeschichte der Serie fort. Das düstere Szenario wurde gegen eine knallig-bunte 80er Jahre Metropole ausgetauscht. Mit Hawaiihemd und Maschinenpistole bewaffnet ging ab in das sonnige Vice City. Den Spieler erwarteten jede Menge neuer Features. Die coole Story samt stimmigem 80er Jahre Soundtrack machten aus GTA Vice City den Spielehit des Jahres 2002.

Nach vier Jahren Pause erschien anschließend auch die Driver-Serie wieder zurück auf der Bildfläche. Mit dem dritten Serienteil wollte man den ganz großen Spielehit landen. Und scheinbar sah man bei der Entwicklung des Spiels "GTA" zum ersten Mal als Konkurrenz-Produkt an. Dies würde auch erklären, wieso Tanner nun erstmals mit Waffen ausgestattet wurde und diverse Missionen nur zu Fuß erledigen konnte. Auch ein Seitenhieb auf GTA Vice City konnte man sich wohl nicht verkneifen. Die neue, von der populären Stuntman-Reihe übernommene Grafikengine beeindruckte auch GTA-Fans anfangs mit äußerst detaillierten und realistisch wirkenden Städten. Wieder standen dem Spieler mehrere Städte zur Auswahl, wieder setzte man auf Abwechslung. Neben Tanners Heimatstadt Miami führte die Story den Spieler auch nach Nizza und Istanbul. Die düstere, aber stylisch in Szene gesetzte Story wurde wieder in exzellenten Rendersequenzen erzählt. Die Fahrphysik wurde nochmals deutlich verbessert, das Schadensmodell setzte für damalige Verhältnisse neue Maßstäbe. Solange man sich in einem Fahrzeug aufhielt und sich spannende Duelle mit der Staatsmacht lieferte, konnte man wieder jede Menge Spaß haben. Doch die miserablen Zu-Fuß-Missionen und die technischen Probleme hinterließen einen äußerst negativen Eindruck. Der streng lineare Aufbau und die Missionsstruktur wirkten nicht mehr zeitgemäß, es fehlte die spielerische Freiheit, die GTA schon seit 1997 lieferte. Der Medienhype und die riesige PR-Kampagne führten am Ende ins Leere. Die Erwartungen vieler Spieler wurden enttäuscht, die Serie verlor einen Großteil ihrer Fans. Auch GTA-Anhänger wandten sich enttäuscht ab und freuten sich stattdessen auf den Nachfolger von "GTA Vice City".

Der kam im Jahr 2004 auf den Markt und nannte sich "GTA San Andreas". Und wieder einmal schaffte es Rockstar Games, jegliche Konkurrenz zu übertrumpfen. Die Liste der Features wurde länger, die Spielewelt wurde größer, die Missionen noch abwechslungsreicher. Das Ghetto-Szenario war nicht jederman's Geschmack, die Grafik wirkte angestaubt, doch wieder überzeugte man die Kritiker mit der für GTA einmaligen Atmosphäre. Cool, cooler, GTA.

Nach dem Driv3r-Debakel mochte wohl keiner mehr so Recht an eine Wiederauferstehung der Serie denken. Doch im Jahr 2005 kündigte der damalige Publisher Atari den vierten Serien-Teil an. Mit Driver: Parallel Lines wollte man wieder zurückkehren zu den Wurzeln der Serie. Das Gegenteil war der Fall. Viele für Driver typische Features wurden gestrichen, viele in der GTA-Reihe gesetze Standards des Genres fanden den Einzug in das Spiel. Der streng hierarchisch gegliederte Missionsaufbau wurde aufgegeben. Stattdessen konnten die Missionen frei in der Spielewelt ausgewählt werden. Die für Driver typische Kinoatmosphäre ging dadurch verloren. Die Spielewelt bestand auch nicht mehr aus mehreren Städten. In Driver: Parallel Lines durfte man nur noch New York City unsicher machen. Das Ziel war es ein möglichst durch Ladepausen und Menüs ungestörtes Spielerlebnis zu schaffen. Die Abwechslung blieb auf der Strecke. Die arcadelastige Fahrphysik, die bunte Grafik, der fehlende Filmeditor und der Versuch, Humor in das Spiel einzubauen, indem man Tanner durch den Kleinkriminellen T.K. ersetzte, führten unweigerlich dazu, dass die Ähnlichkeiten zwischen "Driver" und "GTA" immer größer wurden.

Betrachtet man nun beide Spieleserien hinsichtlich der Spielmechanik und Spielstruktur, so ist eindeutig erkennbar, dass beide Spiele ein und demselben Genre angehören. Betrachtet man jedoch die Zielsetzung beider Spiele, und deren Umsetzung und Präsentation, so wird deutlich, dass beide Spiele eine jeweils eigene Atmosphäre und Typik transportieren. Spielt man Driver, so fühlt man sich direkt versetzt in die klassischen Verfolgungsjagd-Filme der 70er Jahre. Um diese Verfolgungsjagden möglichst dramatisch und stylisch umzusetzen bedient man sich der aus GTA bekannten Spielmechanik, ein logischer und durchaus nachvollziehbarer Schritt. GTA dagegen spielt man immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Im Gegensatz zu Driver nimmt sich GTA nicht allzu ernst, versetzt den Spieler in möglichst verrückte Situationen und bietet jede Menge geballter Action. Eine Inspiration durch eine bestimmtes Filmgenre ist hier nicht erkennbar, Missionen im Auto und Missionen zu Fuß halten sich die Waage. Waffen spielen eine wichtige Rolle, während sie in Driver eher überflüssig wirken.

Für die Zukunft kann man nur hoffen, das Driver wieder zurück findet zu seinen Wurzeln und GTA in kommenden Serienteilen sein typisches Flair beibehält. Dann sollten auch zukünftige Serienteile wieder beide Fangemeinden zufriedenstellen und hoffentlich auch wieder einander näher bringen.


 
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