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Review (PS2)
Während der E3 im heißen Sommer des Jahres 2005 kündigte Atari in einer Pressemitteilung den vierten Teil der Driver-Serie an. Seit dem großen Erfolg des ersten Teils auf der ersten Playstation musste die Serie einiges an Kritik einstecken. Wurde der zweite Teil trotz diverser Bugs noch für gut befunden, musste sich der dritte Teil als schamloser GTA-Klon beschimpfen lassen. Mit Driver: Parallel Lines wollte man endlich wieder zu den Wurzeln der Serie zurückkehren. Ob Reflections Interactive dieser Coup gelungen ist oder nicht, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.
Die Story
Nach dem Start des Spiels fällt einem sofort die neue Hauptfigur auf: Man schlüpft nicht etwa wieder in die Rolle des mittlerweile gealterten Undercover-Polizisten Tanner, sondern macht sich als Jungspund The Kid alias T.K. auf in das New York des Jahres 1978, um dort das große Glück zu finden. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten am Steuer von Fahrzeugen, erhält er dank seines Kumpels Ray schon recht früh die ersten Aufträge. Diese reichen von einfachen Kurierfahrten bis hin zu kleineren Raubüberfällen. T.K. wittert seine Chance und gewinnt immer mehr Respekt durch die Absolvierung immer riskanterer Aufgaben. Doch dass diese heile Welt nicht lange aufrecht erhalten werden kann, ist offensichtlich: Prompt tappt T.K. in eine Falle und darf die nächsten 28 Jahre hinter schwedischen Gardinen verbringen. Erst 2006 ist er wieder auf freiem Fuß. Zusammen mit Ray schmiedet er erste Pläne, wie er seine vermeintlichen Freunde von damals aus dem Weg räumen könnte. Geleitet vom Rachegedanken stürzt er sich erneut in die Straßen New Yorks auf der Suche nach seinen Peinigern.
Die Fahrzeuge
Das Fahren steht wieder ganz klar im Mittelpunkt der Serie. Die sehr abwechslungsreichen Hauptmissionen finden fast alle am Steuer verschiedenster Fahrzeuge statt, nur ab und zu muss T.K. auch mal Waffengewalt anwenden. Den Spieler erwarten über 80 fahrbare Untersätze - von der Familienkutsche über den Sportwagen bis hin zu Lastwagen, Baggern oder einem Panzer. Daneben darf man sich auch wieder auf zwei Rädern durch die Stadt bewegen. Alle Vehikel steuern sich recht unterschiedlich, allerdings ist die Fahrphysik im Vergleich zum Vorgänger etwas arcade-lastiger, was den Fahrspaß jedoch nicht sonderlich trübt. Auch das Schadensmodell sucht in diesem Genre immer noch seinesgleichen. Noch nie waren Fahrzeugschäden so spürbar. Eine unachtsame Fahrweise führt dazu, dass das Fahrzeug sich sehr schnell in seine Bestandteile auflöst. Aufgrund des dichten Verkehrs ist vorrauschauendes Fahren fast unmöglich, so dass der Fahrzeugwechsel oder ein Besuch in der Werkstatt des öftern unausweichlich bleiben. In den drei Werkstätten können Fahrzeuge jedoch nicht nur repariert, sondern auch noch ordentlich aufgemotzt werden. Neben optischen Verschönerungen sind auch sehr zweckmäßige Veränderungen am Motor oder der sinnvolle Einbau von kugelsicheren Scheiben und Reifen möglich. Alles in allem macht der Tuning-Part zwar kurzzeitig etwas Spaß (insbesondere weil wirklich so gut wie jedes Fahrzeug verändert werden kann), kann aber nicht mit dem eines Need for Speed mithalten und wirkt daher eher etwas aufgesetzt. Außerdem benötigt man schon eine ganze Stange Geld für diesen Spaß, da die Tuning-Teile nicht gerade billig sind. Für das Bestehen der Missionen können schnellere oder durch Panzerglass geschützte Fahrzeuge zwar durchaus von Vorteil sein, allerdings sind die Aufträge auch ohne Tuning gut zu meistern. Schließlich dienen die Werkstätten auch noch als Speicherpunkte, allerdings ist die Verteilung über das Stadtgebiet etwas unglücklich geraten, so dass man mitunter recht lange unterwegs ist, bis man mal eine Werkstatt erreicht hat.
Die Waffen
Einige der Hauptmissionen erfordern auch den Einsatz von Waffen, daneben darf T.K. auch zwischen den Missionen wieder aus dem Auto austeigen und sich zu Fuß vergnügen. Eine recht große Auswahl an diversen Waffen sorgt dafür, dass man manchmal glaubt, man spiele einen Titel der GTA-Reihe. Insbesondere die recht agressiven Cops verführen einen häufig dazu aus dem Auto auszusteigen und in typischer GTA-Manier wild um sich zu ballern. Die Steuerung zu Fuß ist dagegen ein klarer Fortschritt gegenüber Driver 3, auch wenn die Kamera manchmal nicht das macht, was sie machen soll. Auch das Zielsystem ist gewöhnungsbedürftig. Mit etwas Übung machen aber sogar die Ballereien etwas Spaß. Man kann nun sogar mit jeder beliebigen Waffe aus einem Fahrzeug heraus schießen, ein Feature, das einem in so mancher Mission sehr nützlich sein wird. Der Einsatz von Waffen innerhalb der Storymissionen wird auch meist sehr glaubwürdig erklärt, ansonsten sind Waffen eigentlich kaum notwendig und wirken ebenfalls etwas aufgesetzt. Der große Bruder GTA lässt grüßen.
Die Cops
Die Ordnungshüter gehen wesentlich agressiver zur Sache als noch im Vorgängertitel. Hat man einmal gegen ein Gesetz verstoßen (sei es nur der Rempler mit dem Vordermann oder rücksichtsloses Fahren auf dem Bürgersteig), treten sie schon in Aktion. Anfangs wird man meist nur von ein bis zwei Fahrzeugen verfolgt, doch recht schnell hat man eine ganze Horde Bullen am Hintern kleben. Diese abzuschütteln ist gar nicht so einfach: der dichte Verkehr und die hohe Agressivität der Cops sorgen für einige Frustmomente. Richtiges "Verfolgungsjagd-Feeling" will einfach nicht aufkommen, zumal einen ab einer gewissen Fahndungsstufe auch noch SWAT-Einsatzkräfte und Polizeihubschrauber verfolgen. Auch hier glaubt man wieder eher GTA als Driver zu spielen. Natürlich gibt es aber auch Möglichkeiten, die Cops wieder los zu werden. Entweder benutzt man Seitenstraßen, in denen man nicht mehr verfolgt wird oder man verlässt sein Fahrzeug. Wurde man vorher nicht bei einer Straftat zu Fuß erwischt, kann man nun ungehindert durch die Stadt spazieren, ohne dass einen lästige Bullen verfolgen. Hat man dagegen wieder einmal mit einem Auto Unfug getrieben ist es ratsam unbemerkt das Fahrzeug zu wechseln. Verhält man sich anschließend unauffällig, geben die Ordnungshüter die Verfolgung nach einer gewissen Zeit auf. Allerdings ist die Zahl der patroulierenden Cops so hoch, dass man fast immer ungewollt in Verfolgungsjagden gerät, auch wenn man nur auf dem Weg zur nächsten Mission ist.
Die Missionen
Die recht abwechslungsreichen Hauptmissionen reichen von einfachen Kurierfahrten bis hin zu riskanten Raubüberfällen. Fast immer wird man dabei von den Cops oder feindlichen Gangs verfolgt. Häufig muss das eigene Fahrzeug auch noch jede Menge gegnerischer Kugeln einstecken. Alles in allem sind jedoch alle Missionen gut lösbar, im Vergleich zu Driver 3 wurde der Schwierigkeitsgrad drastisch gesenkt, er steigt jedoch schon zu Beginn des Spiels schnell wieder an. Die Geschichte wird wie gewohnt in erstklassig animierten und gut vertonten Rendersequenzen erzählt. Zusätzlich gibt es noch jede Menge Nebenmissionen, mit denen man sich das nötige Kleingeld für das Tunen der Fahrzeuge verdienen kann: Diese reichen von Rennen bis hin zu Destruction-Derbys.
Die Stadt
Der Big Apple wurde recht detailliert eingefangen, allerdings nicht originalgetreu abgebildet. Trotzdem erkennt man das Vorbild ganz gut wieder, insbesondere aufgrund verschiedener Wahrzeichen wie der Zwillingstürme, die man im ersten Teil des Spiels noch bewundern darf. New-York-typisch ist auf den Straßen jede Menge Action angesagt: eine Unmenge an Fahrzeugen ist unterwegs und auf den Bürgersteigen treten sich die Menschen scheinbar fast auf die Füße. Auch wenn man hier und da mal menschliche Klone sieht, ist die Abwechslung bei den Fahrzeugen dafür umso größer. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass kein Fahrzeug dem anderen gleicht. Daneben findet man einige interessante Details wie Kisten, Mülltonnen und sonstige Objekte, die allesamt natürlich über den Haufen gefahren werden können. Auch Straßenlaternen stehen einem ab sofort nicht mehr im Weg - mit etwas Speed räumt man die Dinger einfach beiseite.
Die Grafik
Grafisch zählt Driver: Parallel Lines sicherlich nicht zu den Toptiteln auf der Playstation 2, doch bedenkt man die große Menge von Fahrzeugen und Fußgängern, die gleichzeitig auf dem Bildschirm dargestellt werden, kann man mit Fug und Recht behaupten, die Leute von Reflections haben großartige technische Arbeit vollbracht. Konstant gute Framerates verwöhnen den Spieler mit einer äußerst flüssigen Darstellung des Spielgeschehens. Nur einige verwaschene Gebäudetexturen trüben ab und zu den ansonsten recht guten Gesamteindruck. Auch die Soundqualität in einigen nicht vorgerenderten Zwischensequenzen lässt doch sehr zu wünschen übrig.
Der Sound
Kommen wir zum wohl coolsten Feature des Spiels - dem Soundtrack. Musikliebhaber werden mit einer äußerst großen Bandbreite verschiedenster Musikgenres verwöhnt: Seien es die Siebziger mit tollem Disco-, Funk- und Soulsound oder 2006 mit Public Enemy und anderen guten Künstlern. Die Musik ist ein wesentliches Element des Spiels, das stark zur Atmosphäre mit beiträgt. Die Titel werden ähnlich wie in GTA beim Einsteigen in ein Fahrzeug abgespielt. Mit einem Tastendruck kann durch die verschiedenen Songs geswitscht werden. Die englischen Original-Stimmen passen sehr gut zu den einzelnen Charakteren, die deutsche Synchronisation ist nicht ganz so gut, übertrifft die des Vorgängers aber bei weitem. Wer also seine Probleme mit der englischen Sprache hat, kann getrost auf die deutsche Fassung zurückgreifen. Auch die Sounds für Fahrzeuge und Waffen sind stimmig und abwechslungsreich.
Fazit
Hat man Driver: Parallel Lines eine Zeit lang gespielt, wird man das Gefühl nicht los, dass Driver 3 in vielen Dingen doch mehr Driver als GTA war. Mit dem vierten Teil hat man einen perfekten GTA-Klon erschaffen. Die überzeichnete Grafik, die arcade-lastige Fahrphysik, die übertriebene Agressivität der Cops (einschließlich anderer Spezialeinheiten) und die aufgesetzt wirkenden Waffen und Tuning-Möglichkeiten sind nur einige Elemente, die diesem Spiel ein typisches GTA-Gesicht verleihen. Der Anspruch der Ernsthaftigkeit und des Realismus, den die Serie bisher hegte, geht verloren. Stattdessen setzt man auf aufgesetzten Humor und übertriebene Action. Wer GTA mag, wird sich hier zu Hause fühlen, wird allerdings aufgrund der im Vergleich zu GTA San Andreas eingeschränkten Möglichkeiten das Spiel nicht lange spielen, da ihm wohl einfach die Langzeitmotivation fehlt. Wer dagegen Driver mag, wird enttäuscht werden. Er bekommt sicherlich immer noch ein gutes Spiel, das gegenüber dem dritten Teil deutliche Verbesserungen aufweist, doch Driver-Feeling wird wohl nur selten aufkommen. Zu sehr wird das Spiel durch GTA-Einflüsse überlagert, zu sehr vermisst man den coolen Undercover-Cop Tanner, zu sehr wird man von aufgesetztem Humor erschlagen. Driver: Parallel Lines gehört zwar nicht zu den schlechtesten Spielen, kann aber wohl als der schlechteste Teil der Serie bezeichnet werden. Driver-Fans dürfen natürlich trotzdem zuschlagen, sie bekommen mit dem vierten Driver-Titel immer noch ein gutes Spiel. Doch für den nächsten Teil darf man nur hoffen, dass man bei Reflections endlich mal erkennt, was die Serie so populär gemacht hat und wieso die Leute eben keinen weiteren GTA-Klon mehr wollen. Denn davon gibt es einfach schon mehr als genug.
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